Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Neurowissenschaft und Menschenbild. Wie die Hirnforschung unser Alltagsleben beeinflusst.

Termin: 1.12.2006, 16:00 Uhr, bis 3.12.2006, 13:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Evangelische Tagungsstätte
Haus Ortlohn
Berliner Platz 12
58638 Iserlohn-Nussberg

Referenten: Rüdiger Vaas (Zeitschrift „bild der wissenschaft“) *** Prof. Dr. Irene Daum (Abteilung Neuropsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Ruhr-Universität Bochum) *** Dr. Michael Blume (Staatsministerium Baden-Württemberg) *** Prof. Dr. Björn Burkhardt (Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, ausländisches und internationales Strafrecht, Universität Mannheim) *** Prof. Dr. Gerald Wolf (Institut für Medizinische Neurobiologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) *** Stephan Schleim M. A. (Zentrum für Nervenheilkunde, Abteilung für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Bonn) *** Dr. Klaus Brücher (AMEOS Klinik Dr. Heines – Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Bremen) *** Prof. Dr. Ernstpeter Maurer (Universität Dortmund)

Weitere Informationen:
http://vera.evlka.de/meinesuche_detail.php3?id=112412&meineSucheID=391

Kurzbeschreibung: Das spannungsreiche Verhältnis zwischen naturalistischen und religiösen Interpretationen des menschlichen Lebens findet in letzter Zeit erstaunlich große mediale Aufmerksamkeit. Neben dem Streit zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie, dem sich der Arbeitskreis Naturwissenschaft und Theologie bereits im vergangenen Jahr gewidmet hat, werden vor allem auch die theo­logischen und ethischen Implikationen der Neuro­wissen­schaf­ten thematisiert. An zahlreichen Beispielen lässt sich beobachten, wie die Ergebnisse der modernen Hirnforschung nicht nur Medizin und Psychologie verändern, sondern auch ganz alltägliche Lebensbereiche – wie das Bildungs- oder das Rechtssystem, ja sogar die Religion – beeinflussen. Daraus ergeben sich neuartige Herausforderungen für unser individuelles und kulturelles Selbstverständnis.

Die neuesten Forschungsergebnisse zu den neuronalen Grundlagen des mensch­lichen Verhaltens stellen nach Einschätzung vieler Hirnforscher geradezu eine geistesgeschichtliche Revolution dar. Sie sind der Überzeugung, dass sich alle Aspekte unseres Denkens und Handelns letztlich durch materielle Vorgänge erklären lassen. „Der freie Wille ist nur ein gutes Gefühl,“ behauptet der bekannte Neurophysiologe Wolf Singer provokant.

Kann angesichts dessen die traditionelle Sichtweise des Men­­schen als eines für seine Handlungen verantwortlichen Gottesgeschöpfes noch aufrechterhalten werden? Ist der Glaube vielleicht selbst nicht mehr als ein bloßes Erzeugnis unserer hirnphysiologischen Konstitution, wie es die so genannte Neurotheologie nahe legt? Werden wir uns in Zukunft an einer speziellen Neuroethik orientieren, die auf überkommene Be­griffe wie Schuld und Vergebung, Nächstenliebe und Barm­herzigkeit verzichtet?

Um das nötige Fundament für eine sachkundige Auseinandersetzung mit solchen ernstzunehmenden Anfragen an das christliche Men­­­schenbild (und an die normativen Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens überhaupt) zu schaffen, werden renommierte Expertinnen und Experten aktuelle For­schungstrends vor­stel­len. Mithilfe kritischer Anfragen aus den (ja nicht ohne Grund so genannten) Geisteswissenschaften wol­len wir klären, wie weit der Anspruch naturwissenschaft­licher Erkenntnisse auf die Deutung von Individuum und Gesellschaft reichen kann. Dazu hoffen wir auf anregende Vorträge und lebhafte Diskussionen.

Kontakt: Frau Ulrike Neuhaus
Institut für Kirche und Gesellschaft
Berliner Platz 12
58638 Iserlohn
Tel.: +49 - (0)2371 - 35 21 45
Fax: +49 - (0)2371 - 35 21 69
u.neuhaus@kircheundgesellschaft.de
http://www.kircheundgesellschaft.de/

Veranstalter: Arbeitskreis Naturwissenschaft und Theologie an der Evan­gelischen Akademie Iserlohn

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Peter Markus, Lars Klinnert

Schlagworte: Hirnforschung

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