Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Ethik-Medizin-Gerechtigkeit / Ethics-Medicine-Equitableness

Beginn: 1.6.2007, 9:00 -19:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Gästehaus
Frauenlobstraße 1
Frankfurt am Main

Referenten: Thomas Pogge (Columbia University) *** Julian Kinderlerer (Universität Kapstadt) *** Govert den Hartogh (Universität Amsterdam) *** Lisa Cahill (Boston College) *** Donna Dickenson (Oxford) *** Friedrich Breyer (Universität Konstanz) *** Rolf Rosenbrock (Forschungsgruppe Public Health im WZB) *** Dietmar Mieth (Universität Tübingen) *** Hille Haker (Universität Frankfurt am Main)

Weitere Informationen:
http://www.kaththeol.uni-frankfurt.de/moral/EthikMedizin/

Kurzbeschreibung: Mit den medizinischen und technischen Fortschritten der letzten Jahrzehnte sind global und national ungleich verteilte Gesundheitsressourcen und defizitäre Gesundheitsversorgung zu einem der größten sozialen Problembereiche geworden, die im 21. Jahrhundert zu lösen sind. Dieser Befund macht die gesellschaftliche Neuorientierung des Verhältnisses von Ethik und Medizin aus ethischer Sicht dringend notwendig. In der Vorlesungsreihe soll zunächst das Verhältnis von Ethik, Medizin und Gesellschaft in einer Grundlagenreflexion aufgenommen werden. Technische Verfahren und wissenschaftliche Forschung verändern die Situation der klinischen Medizin insbesondere für die medizinischen Berufsgruppen drastisch.

Im Unterschied zu dieser Fragestellung, die die Wissenschaft und WissenschaftlerInnen betrifft, wird in den medical humanities die Frage nach den Adressaten des medizinischen Handelns unter den neuen Voraussetzungen in den Mittelpunkt gestellt. Dabei rückt vor allem der Begriff der Patientenautonomie ins Zentrum der Reflexion. Welche Auswirkungen haben beide Fragen auf die Medizinethik im Kontext der Wissenschaftsethik? Wie angesichts der Vielfalt der AkteurInnen in der Medizin sowie der komplexen medizinischen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten PatientInnenrechte realisiert werden können, soll eigens einer rechtsethischen Reflexion unterzogen werden. Diese muss die Rechte von Einzelnen innerhalb der Werte-, Kultur-, Religions- und Traditionspluralität herausarbeiten und Strukturen sozialer Ungerechtigkeit benennen.

Die Schere zwischen den technischen Entwicklungen zur Diagnostik und Therapie und der Bereitstellung bzw. Erforschung elementarer Versorgungsinstrumente wird immer größer und ist keineswegs nur als Problem zwischen Ländergrenzen zu betrachten, sondern auch innerhalb von Ländergrenzen. Die Trennung zwischen der medizinethischern Grundlagenreflexion auf die veränderten Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung einerseits und den gesundheitspolitischen Strategien zur allgemeinen Verbesserung der Gesundheitsversorgung andererseits erweist sich angesichts der allgemeinen globalisierten ökonomischen und sozialen Entwicklungen als unhaltbar. Vielmehr ist die Verschränkung beider Reflexionsebenen das Problem der Medizinethik des 21. Jahrhunderts.

Zu dieser Frage findet am 1.6.2007 ein eintägiges Internationales Symposion statt.

In unterschiedlichen Vorträgen soll ein Dialog eröffnet werden, in dem unterschiedliche ethische Perspektiven auf die politische, forschungs- und anwendungsorientierte Praxis vorgestellt werden. Zunächst werden die Gerechtigkeitsfragen als Fragen der nationalen und internationalen Gesundheitspolitik vorgestellt. Aus der Perspektive der philosophischen Ethik/ politischen Ethik wird der theoretische Rahmen durch einen internationalen Experten der Global Justice Debatte absteckt.

Diese theoretischen Überlegungen werden durch spezifische Fragestellungen konkretisiert, in deren Zentrum

* die Gesundheitssysteme (Niederlande, Südafrika)

* die Rolle der Katholischen Soziallehre für die globale Bioethik und

* die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers stehen.

Das Symposion schließt mit einer Podiumsdiskussion, in der die zentrale Frage nach dem Zusammenhang von medizinethischer Grundlagenreflexion und gesundheits-politischer Strategien für die deutsche Gesellschaft diskutiert wird.

Kontakt: Frau Ursula Konnertz
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Fachbereich Katholische Theologie
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49 - (0)69 - 79 83 29 38
Fax: +49 - (0)69 - 79 83 33 54
dbethik@em.uni-frankfurt.de
http://www.kaththeol.uni-frankfurt.de/moral/

Veranstalter: Lehrstuhl für Moraltheologie/Sozialethik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Stiftungsprofessur "Wissenschaft und Gesellschaft" der Deutschen Bank AG

Schlagworte: Gesundheitswesen, Medizinische Ethik, Pharmazeutik

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