Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Was ist Wissenschaft? Darstellung und Bestandsaufnahme der deutschen Wissenschaftsphilosophie

Termin: 17.3.2008, 15:00 Uhr, bis 19.3.2008, 13:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Tagung:

Wissenschaftszentrum Bonn
Ahrstraße 45
53175 Bonn

Öffentliches Podium am 18.03.:

Rheinisches LandesMuseum Bonn
Vortragssaal
Colmantstraße 14 - 16
53115 Bonn

Referenten: Prof. Dr. Andreas Bartels (U Bonn) *** Prof. Dr. Martin Carrier (U Bielefeld) *** Prof. Dr. Wolfgang Detel (U Frankfurt) *** Prof. Dr. Moritz Epple (U Frankfurt) *** Prof. Dr. Michael Esfeld (U Lausanne) *** Prof. Dr. Carl Friedrich Gethmann (U Duisburg-Essen) *** Richard Friebe (SZ, München) *** Dr. Wilhelm Krull (VolkswagenStiftung, Hannover) *** Prof. Dr. Harald Lesch (Physik, LMU München) *** Prof. Dr. Stephan Hartmann (U Tilburg) *** Tobias Hürter (PM/ZEIT, München) *** Prof. Dr. Paul Hoyningen-Huene (U Hannover) *** Prof. Dr. Andreas Hüttemann (U Münster) *** Prof. Dr. Thomas Junker (U Tübingen) *** PD Dr. Ulrich Krohs (U Hamburg) *** Prof. Dr. Hannes Leitgeb (U Bristol) *** Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer (BMBF, Berlin) *** Prof. Dr. Carlos Ulises Moulines (LMU München) *** Prof. Dr. Albert Newen (U Bochum) *** Dr. Ulf von Rauchhaupt (FAZ, Frankfurt) *** Prof. Dr. Gregor Schiemann (U Wuppertal) *** Prof. Dr. Gerhard Schurz (U Düsseldorf) *** Gert Scobel (ZDF/3sat, Mainz) *** Prof. Dr. Wolfgang Spohn (U Konstanz) *** Dr. Christian Suhm (U Münster) *** Prof. Dr. Holm Tetens (FU Berlin) *** Prof. Dr. Ipke Wachsmuth (Informatik, U Bielefeld) *** Dr. Thorsten Wilholt (U Bielefeld)

Weitere Informationen:
http://www.wissphil.uni-bonn.de/

Kurzbeschreibung: Die Wissenschaft beherrscht und durchdringt die Lebensbedingungen unserer modernen Welt. Sie tut dies sowohl in Hinblick auf die aus ihr entspringenden technischen Anwendungen als auch bezüglich des Selbstverständnisses des Menschen. Dabei ist die Wissenschaft – ähnlich wie die Wirtschaft – zunächst ein von Menschen gemachtes Unternehmen zum tieferen Verständnis der Welt und ihrer Zusammenhänge. Im Laufe der Zeit hat sich dieses Unternehmen ganz erheblich verselbständigt. Für die Grundlagen unserer modernen Kultur steht es außer Frage, dass es von notwendigem Interesse ist, die Wissenschaft an sich zu verstehen – die spezifischen Strukturen, Methoden und Funktionsweisen der Wissenschaft als solcher zu durchdringen. In diesem Zusammenhang kommt der Wissenschaftsphilosophie eine zentrale Position zu, denn sie ist diejenige Disziplin im Wissenschaftskanon, die sich auf eine Untersuchung der wissenschaftlichen Methode und Genese der Wissenschaften im Allgemeinen richtet, die versucht, die einzelnen Gegenstandsbereiche der Fachwissenschaften ontologisch und epistemologisch zu reflektieren und die generellen formalen und begrifflichen Strukturen wissenschaftlicher Theorien und Theoriebildung zu analysieren. Dabei ist die Wissenschaftsphilosophie in erster Linie eine eigenständige Teildisziplin der Philosophie. Sie dient nicht einfach der populären Nacherzählung der Fachwissenschaften und auch nicht deren bloßer Bestätigung, sondern zielt auf die kritische Reflexion und Durchleuchtung der Wissenschaften mit ureigenen Methoden und Fragestellungen. Der Wissenschaftsphilosophie kommt somit seit jeher eine Schlüsselposition im Kanon der Wissenschaften zu.

Nun findet derzeit eine tiefgreifende Änderung der akademischen Wissenschaftslandschaft in Deutschland statt. Die Universitäten befinden sich in einem Strukturwandel ungeahnten Ausmaßes. Auf Grund veränderter politischer Rahmenbedingungen werden sich sowohl die Formen des Studierens als auch die Handlungs- und Tätigkeitsformen der praktizierenden Wissenschaftler sowie derjenigen Institutionen und Organisationen, in die sie institutionell eingebunden sind, wandeln und neu ausrichten. Wesentliches Ziel dieser Neuausrichtung ist eine optimale und flexible Anpassung an die gegenwärtigen und zukünftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfordernisse. Zu den am wenigsten strittigen Kriterien, wie zu einer derartigen Anpassung in den jeweiligen Forschungsgebieten beigetragen werden kann, gehört die Forderung nach Interdisziplinarität, nach der Vernetzbarkeit und Anknüpfbarkeit wissenschaftlicher Einzelfragestellungen zu den Fragestellungen der Nachbardisziplinen und dem Fragerahmen eines größeren Ganzen. Auch wird eine höhere Transparenz zwischen den Fächergrenzen gefordert. Zugleich aber stellt die viel beschworene Interdisziplinarität in ihrer praktischen Umsetzung weiterhin eine große Herausforderung dar. Vor allem über die Grenzen der zwei Kulturen, der Geistes- und der Naturwissenschaften hinweg erweist sich sich als ungemein schwierig.

In dieser Situation kommt wiederum der Wissenschaftsphilosophie eine zentrale, wenn nicht gar weichenstellende Position zu, deren Tragweite in der bisherigen Debatte um den Strukturwandel der Wissenschaftslandschaft kaum Beachtung geschenkt wurde. Denn der Diskurs zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften besitzt in Form der Wissenschaftsphilosophie eine natürliche disziplinäre Verankerung. Die Wissenschaftsphilosophie leistet, was die Fachwissenschaften aus sich heraus häufig nicht oder nicht so einfach zu leisten vermögen: sie entwickelt Fragehorizonte, die typischerweise in den Einzeldisziplinen ihren Ursprung haben, dann jedoch inhaltlich und methodisch deutlich über die Disziplinengrenzen hinausgehen. Neben der schon erwähnten Reflexionsrolle ist es diese, die Disziplinengrenzen überschreitende Mittlerrolle, die der Wissenschaftsphilosophie im Rahmen unserer zukünftigen vernetzten Wissenschaftslandschaft eine wichtige Schlüsselrolle zuweist. Im Rahmen der Tagung Was ist Wissenschaft? soll daher versucht werden, die Angebote und Möglichkeiten der Wissenschaftsphilosophie und die Stärken ihrer interdisziplinären Schlüsselposition spezifisch in Bezug auf die deutsche Hochschul- und Forschungssituation und deren sich wandelnde Erfordernisse neu auszuloten und zu bestimmen und hierfür zugleich ein breiteres mediales Interesse zu erzeugen.

Kontakt: Herrn PD Dr. Holger Lyre
Institut für Philosophie
Universität Bonn
Am Hof 1
53113 Bonn
Tel.: +49 - (0)228 - 73 39 67
Fax: +49 - (0)228 - 73 78 78
wissphil@uni-bonn.de
http://www.iphil.uni-bonn.de/

Veranstalter: Institut für Philosophie der Universität Bonn

Wissenschaftliche Leitung: PD Dr. Holger Lyre (U Bonn; Leitung), Prof. Dr. Martin Carrier (U Bielefeld), Prof. Dr. Marcel Weber (U Basel), Dr. Markus Werning (U Düsseldorf)

Schlagworte: Wissenschaftsethik

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