Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Das rätselhafte ICH - Neurowissenschaft und Evolutionsbiologie vor der Frage, wie aus dem Körperorgan „Gehirn“ ein ICH-Bewusstsein entstehen konnte

Termin: 13.3.2009, 18:30 Uhr, bis 15.3.2009, 12:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Evangelische Akademie Arnoldshain
Martin-Niemöller-Haus
Am Eichwaldsfeld 3
61389 Schmitten

Weitere Informationen:
http://www.evangelische-akademie.de/admin/projects/akademie/pdf/progra ...

Kurzbeschreibung: Unlösbar ist noch immer die Frage, wie im Laufe der Evolution des Lebendigen aus dem Körperorgan Gehirn das Bewusstsein von einem Selbst, ein „Ich-Bewusstsein“ entstehen konnte. Unzweifelhaft, so erklärt es die heutige Hirnforschung, beruht unser Wissen von einem Ich, das an einen konkreten Organismus gebunden ist, auf kognitiven Funktionen des Gehirns. Ist dieses Gehirn dazu ausgestattet, aus sich heraus sich selbst zu erklären? Und ist es ausreichend, die mentalen Phänomene unserer als subjektiv wahrgenommenen Empfindungen, unser als autonom erlebtes Selbst allein auf einen biologisch gegründeten Organismus zurückzuführen?

Abendländische Philosophen und Theologen haben sich lange einer reduktionistischen Erklärung von Geist und Bewusstsein widersetzt. Man hat das Unstoffliche, Unräumliche, das den Menschen als transzendent begründetes Geschöpf ausmacht, als „Seele“ bezeichnet, als „anima“, als das alles belebende Personale eines jeden Geschöpfes. Heute scheinen wir zu wissen, dass auch der Mensch einschließlich seiner Begabung, sich als „Ich“ vorzustellen und als selbstverantwortliche Entität zu handeln, Teil der empirisch-materiellen Welt ist.

Möglicherweise haben wir über „Materie“ zu einfach gedacht, um Bewusstsein als eigene Kategorie jenseits der Begriffe „materiell – immateriell“ beschreiben zu können. Vielleicht ist das Ich, obwohl an die Biomaschine Gehirn fest gebunden, ein Drittes, noch Unbekanntes, nicht ableitbar allein vom Feuern bestimmter Neuronen? Manche sprechen von der Kategorie „exklusiver Selbstzugänglichkeit“. Dies könnte selbst dann gelten, wenn – wie von Hirnforschern derzeit betont – die Herausbildung der menschlichen Ich-Erfahrung Teil der kulturellen Evolution ist. Wenn es also zutrifft, „dass die Erfahrung, ein autonomes, subjektives Ich zu sein, auf Konstrukten beruht, die im Laufe unserer kulturellen Evolution entwickelt wurden“ (W. Singer, Vom Gehirn zum Bewusstsein, 2006).

Die Arbeitsgemeinschaft „Wissenschaft-Mensch-Religion“ will mit dieser Tagung erneut ein auch für das Verständnis eines christlichen Menschenbildes brisantes Thema der Neurowissenschaften aufnehmen. Sie fragt nach der philosophiegeschichtlichen Seite der Thematik, will Aspekte des derzeitigen Forschungsstandes ansprechen und offene Fragen herausarbeiten. Dabei wird auch die nahe liegende und noch immer unbeantwortete religionskritische Frage zu stellen sein, wie angesichts des evolutionären Konstrukts „Ich“ die jüdisch-christliche Rede von einem unbenennbaren, einem transpersonalen „Du“ zu verstehen sein könnte.

Kontakt: Karin Weintz
Evangelische Akademie Arnoldshain
Martin-Niemöller-Haus
Am Eichwaldsfeld 3
61389 Schmitten
Tel.: +49 - (0)6084 - 9 59 81 25
Fax: +49 - (0)6084 - 9 59 81 38
weintz@evangelische-akademie.de
http://www.evangelische-akademie.de/

Veranstalter: Evangelische Akademie Arnoldshain

Schlagworte: Forschungsethik, Hirnforschung

Artikelaktionen