Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: 10. Mannheimer Ethik-Symposium: "Schuld: Bearbeitung, Bewältigung, Lösung - Interdisziplinäre gesellschaftliche und psychotherapeutische Perspektiven"

Beginn: 10.10.2009, 9:30 -19:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Universität Mannheim
Schloss / Haupteingang
Ostflügel / Aula

Weitere Informationen:
http://www.institut-iepg.de/index1.html?symposium.html

Kurzbeschreibung: Kaum könnte ein aktuelleres Thema für eine Gesellschaft in der Krise gedacht werden als das Thema "Wer hat Schuld?". Die aktuellen Spannungen in unserem Gesundheitswesen zwischen Arzt und Patient, Arzt und Politik, Patient und Politik sind nur ein Paradigma für alltäglich ablaufende Prozesse von Schuldzuweisung, Ausgrenzung, Problemverschiebung und erneuter Problemverdeckung. Angst vor dem Schuldigwerden kann handlungsunfähig machen, Bewusstsein des Schuldig-Geworden-Seins ebenso. Der innere Grund des Schuldvorwurfs liegt ja doch darin, dass der Mensch auf freie, verantwortliche, sittliche Selbstbestimmung angelegt und deshalb befähigt ist, sich für das Recht und gegen das Unrecht zu entscheiden. So lautet das Menschenbild, von dem her dann rechtliche Perspektiven von Beurteilung und Verurteilung im Auftrag der Gemeinschaft abzuleiten sind. Denken wir an die Zukunftsfähigkeit des Einzelnen wie der Gemeinschaft und der Völker, so geht es um nichts Geringeres als um Vergebung, Versöhnung und Frieden. Hinsichtlich der Bewältigung und Lösung von Schuld kann nicht allein auf spontane Heilungsprozesse gehofft werden, so wichtig diese auch sein mögen. Vielmehr bedarf es hier eines Prozesswissens, wie solche Bewältigung und Lösung erlangt werden kann, beginnend mit der Anerkennung von Trauma und Schuld, gefolgt von einem Bedauern des Herzens als emotionale und spirituelle Angelegenheit, dann einem offenen Bekenntnis und schließlich einer Wiedergutmachung und Umwandlung der Schuld durch die Tat.

Hoffnung der Veranstalter ist es, dass im Rahmen des Symposiums durch die Offenlegung der Tiefenstrukturen von Schuld nach innen der Prozess versöhnlicher Identitätsbildung deutlich werde. Dieser Vorgang korrespondiert nach außen in den Beziehungen der Menschen und Völker untereinander mit einem Prozess gelebten Vertrauens: genauer, mit einem Erkenntnisprozess, der es ermöglicht, dass in der Verschiedenheit und Gemeinsamkeit der Menschen und Völker gemeinschaftliche Reifung erwächst.

Violeta Dinescu, international renommierte Komponistin, die seit vielen Jahren die künstlerische Leitung des Symposiums innehat, hat auch für das diesmalige Symposium eigens ein Werk komponiert für Instrumente - Flöten und Gitarren - sowie Sprechstimmen. Texte aus grundlegenden Werken von Karl Jaspers bilden das Libretto. Karl Jaspers wird so zu einer in der Musik zum Ausdruck kommenden Resonanzform, in der sich transkulturelle und transepochale Perspektiven verschränken. Dies soll nicht zu einer Überhöhung führen, sondern - so das künstlerische Konzept - vor allem einen Weg darüber hinaus aufzeigen: künstlerische Vision und nicht schon ganze Wirklichkeit.

Eingeladen sind Interessierte, die hinsichtlich der an­thropologischen Grundlagen der Ethik die interdisziplinäre Kommunikation vertiefen und weiterentwickeln, schließlich mitbewirken wollen, dass ein zentrales Thema des Mensch-Seins nicht verdrängt, sondern individuell wie kollektiv kultiviert werde.

Kontakt: Institut für medizinische Ethik,
Grundlagen und Methoden der
Psychotherapie und Gesundheitskultur
Lameystraße 36
68165 Mannheim
Tel.: +49 - (0)621 - 32 88 63 60/70
Fax: +49 - (0)621 - 32 88 63 66
info@institut-iepg.de
http://www.institut-iepg.de/

Schlagworte: Psychologie

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