Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Das Geld liegt auf der "Bio-Bank". Menschliche Zellen und Gewebe als kommerzielles Gut

Termin: 2.9.2009, 12:00 Uhr, bis 3.9.2009, 13:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Hanns-Lilje-Haus
Knochenhauerstraße 33
30159 Hannover

Weitere Informationen:
http://www.evlka.de/zfg/images/FLYER%20Biobanken2009.pdf

Kurzbeschreibung: Menschen sind nachweislich bereit, ihr Blut, Gewebe oder Zellen für groß angelegte Biobankprojekte zu spenden. Das Maß dieser Bereitschaft hängt jedoch wesentlich vom Grad ihres Vertrauens in Wissenschaft und Forschung ab. Dieses Vertrauen scheint zu schwinden, wenn kommerzielle Interessen ins Spiel kommen. Gleichzeitig wächst in der Bevölkerung die Erwartung an die Wissenschaft, den Nutzen dieser Forschung unter Beweis zu stellen, z.B. durch Fortschritte bei der Vermeidung und Behandlung von Krankheiten. Um zu neuen Forschungsergebnissen zu kommen und diese Kenntnisse von der Grundlagenforschung in die Anwendung zu transferieren, sind wiederum erhebliche finanzielle Ressourcen nötig. Dazu werden Steuergelder in Anspruch genommen, aber auch private Mittel – häufig von der Pharmazeutischen Industrie – zur Verfügung gestellt. Diese Investitionen sollen sich als gewinnbringend erweisen. Eine derartige Gewinnorientierung scheint jedoch einer altruistisch motivierten Spendenbereitschaft zu widersprechen.

Mit Blick auf die Biobanken ergibt sich eine weitere Spannung: Dem individuellen Recht, die Verwendung des gespendeten Materials zu kontrollieren, steht das Interesse der Bevölkerung an einem umfassenden Zugang zu Biobanken einschließlich einer kommerziellen Nutzung im Rahmen der Gesundheitsversorgung entgegen. Daher stellt sich bei der Nutzung von Biobanken als Proben- und Datenpool, z.B. für die Erforschung von in der Bevölkerung verbreiteten Krankheiten, die Frage, ob und wie individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Interessen in einen Ausgleich gebracht werden können: In welcher Weise sollten die autonomiebasierten Prinzipien der Medizinethik um sozialethisch orientierte Normen wie „Gerechtigkeit“, „Solidarität“ und „Gegenseitigkeit“ ergänzt werden? Welche wirtschaftlichen Interessen sind (noch) legitim? Welche Formen individueller Beteiligung an den Erkenntnissen und wirtschaftlichen Gewinnen sind möglich und nötig („Benefit Sharing“)? Sind Ökonomie und Altruismus miteinander vereinbar?

Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit Betreibern von Gewebebanken, Vertretern der epidemiologischen Forschung, der Pharmazeutischen Industrie, der Philosophie, der Wirtschafts- und Medizinethik diskutieren. Die Tagung richtet sich an alle, die sich mit diesem Thema wissenschaftlich, praktisch oder politisch befassen.

Kontakt: Zentrum für Gesundheitsethik
an der Evangelischen Akademie Loccum
Knochenhauerstraße 33
30159 Hannover
Tel.: +49 - (0)551 - 1 24 14 96
Fax: +49 - (0)551 - 1 24 14 97
zfg@evlka.de
http://www.zfg-hannover.de/

Veranstalter: Zentrum für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum

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