Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Krankheit besiegen?

Termin: 20.11.2009, 18:00 Uhr, bis 22.11.2009, 12:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Evangelische Tagungsstätte Wildbad
Taubertalweg 42
91541 Rothenburg o.d.T.

Weitere Informationen:
http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/programm/upload/1444.pdf

Kurzbeschreibung: Die Auseinandersetzung mit Krankheit wird vielfach von Kampfmetaphern geprägt. Woher kommt das und wozu führt es?

„Gekämpft, gehofft und doch verloren“, ist häufig in Todesanzeigen zu lesen. Sie oder er hat „den Krebs besiegt“, titelt die Regenbogenpresse, wenn sie einmal wieder eine außergewöhnliche – oder auch nur außergewöhnlich aufgemachte – Genesungsgeschichte erzählt. „Ich werde kämpfen“, sagen viele lebensbedrohlich Erkrankte für sich selbst und erleben folgerichtig Heilung als Sieg, Sterben als Niederlage und ein Fortschreiten der Krankheit als Aufforderung, noch heftiger zu kämpfen.

Selbstverständnis und Praxis der Medizin spiegeln diese Sicht der Dinge wider, ja befördern sie zusätzlich, wenn sie nicht sogar deren Urheber sind. Da werden „Feldzüge“ gegen verbreitete Krankheiten geführt mit dem Ziel, die Erreger „auszurotten“. Die „Geißel“ Krebs wird „bekämpft“ mit den „Waffen“ „Stahl“, „Strahl“ und chemische „Keule“. Neue Heilmittel und Therapiemethoden werden als „Wunderwaffen“ angepriesen, und die Ergebnisse allen Bemühens schließlich als „Siege“ oder „Niederlagen“ kategorisiert. Selbst bei sog. alternativen Therapien wird positives Denken zur „Wappnung“ und Krebszellen werden (mental) „bekämpft“. Kampf- ja Kriegsmetaphorik überall, und dem dahinter stehenden Bild von den sich stellenden Aufgaben entsprechend werden Ärztinnen und Ärzte ausgebildet zu Kämpfern gegen den äußeren „Feind“ Krankheit. Bei all diesem Kampfgetümmel verschwimmt am Ende nicht selten die Wahrnehmung des kranken Menschen.

Wo hat ein solcher Umgang mit Krankheit seine Wurzeln? Was steht aktuell dahinter und welche Folgen hat er? Was z.B. bedeutet es für Kranke und Helfende, wenn es für sie nur Sieg oder Niederlage, nichts dazwischen gibt? Diesen und weiteren daraus sich ergebenden Fragen soll beim diesjährigen Medizin-Theologie-Symposion nachgegangen werden.

Wir laden alle Interessierten herzlich nach Rothenburg ein.

Die Tagung ist für das „Fortbildungszertifikat“ der Bayerischen Landesärztekammer anrechenbar: 1. Tag 2 Punkte, 2. Tag 8 Punkte, 3. Tag 3 Punkte.

Kontakt: Doris Brosch
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstr. 2+4
82327 Tutzing
Tel.: +49 - (0)8158 - 25 11 25
Fax: +49 - (0)8158 - 99 64 24
brosch@ev-akademie-tutzing.de
http://www.ev-akademie-tutzing.de/

Veranstalter: Evangelische Akademie Tutzing

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Christoph Meier (Evangelische Akademie Tutzing), Prof. Dr. Frank Erbguth Klinik für Neurologie (Klinikum Nürnberg), PD Dr. Traugott Roser (Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin, Klinikum Großhadern)

Schlagworte: Ärztliches Ethos, Arzt-Patient-Verhältnis, Gesundheitswesen, Krankheit, Medizinische Ethik, Pflegeethik, Pfleger-Patient-Verhältnis, Pharmazeutik

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