Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Segen und Fluch des Wissens um Krankheit - Patientenforum Medizinische Ethik

Termin: 15.7.2002, 13:30 Uhr, bis 16.7.2002, 17:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2 - 4
82327 Tutzing

Referenten: Dr. Christoph Meier (Evang. Akademie Tutzing); Prof. Dr. Stella Reiter-Theil (Institut für angewandte Ethik und Medizinethik, Medizinische Fakultät, Universität Basel); Eva Koppehele (Patientin, München); Berthold Hellmuth ( Angehöriger, Polling); Dr. Maria E. Fick (Ärztin für Allgemeinmedizin, Landshut); Dr. Herbert Kappauf (Oberarzt, Medizinische Klinik V (Hämatologie/Onkologie/Knochenmarkstransplantation), Klinikum Nürnberg); Dorothea-Ruth Leuchs (Pflegedienstleisterin, Zentralklinikum Augsburg); Renate Breit (Krankenhausseelsorgerin, Stiftsklinik und Herzklinik, Augustinum, München); Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger (Vorstand des Instituts für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München); Dr. Johannes Mohm (Arzt, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden); Sandra Bartels (Dipl.-Psych., Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik, Medizinische Fakultät, Universität Basel); Prof. Dr. Hedwig J. Kaiser (Augenspital der Universität Basel); Prof. Dr. Matthias Volkenandt (Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München); Prof. Dr. Karl Überla (Vorstand des Instituts für Medizinische Informationverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München); Dr. Monika Dorfmüller (Leitende Klinische Psychologin, Krankenhaus München Bogenhausen); Ingrid Erber (Patientin, Weßling); Prof. Dr. Hansjakob Müller (Abteilung für Medizinische Genetik, Universitäts-Kinderspital beider Basel); Dr. Roland Hentschel (Oberarzt, Allgemeine Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universität Freiburg): PD Dr. Günter Feuerstein (Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt, Universität Hamburg); Prof. Dr. Reinhard Damm (Insitut für Gesundheits- und Medizinrecht, Universität Bremen); Dr. Beatrix Rubin (Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik, Medizinische Fakultät, Universität Basel); Prof. Dr. Heide Sperschneider (Innere Medizin, Universität Jena); Edith Nitzsche (Patientin, München); PD Dr. Gian Domenico Borasio (Interdisziplinäre Palliativmedizinische Einrichtung und Neurologische Klinik, Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München)

Weitere Informationen:
http://www.ev-akademie-tutzing.de

Kurzbeschreibung: Patientenforen zur Medizinischen Ethik gehören inzwischen fest zum Programm der Ev. Akademie Tutzing. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, für das Entscheiden und Handeln im Alltag medizinischer und pflegerischer Praxis sowie für die Begegnung mit kranken Menschen und deren Angehörigen Anregungen und Hilfen zu geben. Dabei soll die Sicht von PatientInnen und Angehörigen besonders berücksichtigt werden, nicht nur für den je eigenen Fall, sondern auch im Blick auf vergleichbare Situtationen und Fälle. Der Schwerpunkt der Tagesprogramme liegt auf dem Gespräch, womit die Möglichkeit eröffnet und die Fähigkeit gestärkt werden soll, im Dialog über ethische Fragen eigene Anliegen mittzuteilen und mit den Perspektiven anderer Beteiligter und Betroffener konstruktiv zu vermitteln.

Inhaltlich geht es bei diesem viertem Tutzinger Patientenforum um die Ambivalenz des Wissens um Krankheit und damit um die Ambivalenz von Diagnostik. In der modernen Medizin werden die klassischen personen- und beziehungsorientierten Diagnoseinstrumente Anamnese, Symptomwahrnehmung und Symptominterpretation zunehmend ergänzt, oder sogar verdrängt, durch technische Hilfsmittel. Immer präzisere Geräte und Analysen eröffnen ständig neue Möglichkeiten für immer genauere, immer differenziertere und immer weiter reichende Diagnosen. Der Nutzen dieser Entwicklung ist unbestritten. Doch sie wirft auch Fragen auf: Was nützt z. Bsp. therapeutisch folgenloses Wissen? Bedeutet die aus einer Genanalyse oder einer anderen Untersuchung gewonnene Erkenntnis, in näherer oder fernerer Zukunft mit dem Ausbruch einer unheilbaren Krankheit rechnen zu müssen, für die Betroffenen nicht eher Belastung als Hilfe? Ist es also sinnvoll, derartige Informationen gezielt zu erheben, und wie ist damit umzugehen, wenn sie sich bei einer Maßnahme mit ursprünglich anderer Zielsetzung zufällig ergeben? Was spricht für, was gegen Screeninguntersuchungen in der Vor- und in der Nachsorge? Sollte auf diagnostische Maßnahmen, aus denen sich vorhersehbar keine sinnvolllen therapeutsischen Konsequenzen ergeben, nicht überhaupt verzichtet werden - auch aus wirtschaftlichen Gründen? Wie steht es um das Patientenrecht auf Wissen oder Nichtwissen? Und schließlich: Bedeutet die Zurückdrängung der stärker personen- und beziehungsorientierten Aspekte der Diagnostik nicht einen Verlust, dem wir entgegenwirken sollten?

Auf solche und ähnliche Fragen suchen wir beim diesjährigen Patientenforum Medizinethik nach Antworten. Wir laden alle Interessierten herzlich nach Tutzingen ein.

Kontakt: Evangelische Akademie Tutzing
Frau Doris Brosch
Schlossstraße 2 - 4
82327 Tutzing

Tel.: 08158 / 25 11 25
Fax: 08158 / 99 64 24



brosch@ev-akademie-tutzing.de
http://www.ev-akademie-tutzing.de

Veranstalter: Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik, Universität Basel, Evangelische Akademie Tutzing

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Christoph Meier, Evangelische Akademie Tutzing, Prof. Dr. Stella Reiter-Theil, Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik, Universität Basel

Schlagworte: Medizinische Ethik

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