Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Planungssicherheit am Lebensende? - Patientenverfügungen im Widerstreit

Termin: 18.10.2002, 19:00 Uhr, bis 19.10.2002, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Ev. Gemeindezentrum
Altenessen-Süd
Hövelstraße 71 - 73
45326 Essen

Referenten: Werner Schneider (Privatdozent am Insitut für Soziologie der Universität München); Marianne Gronemeyer (Professorin für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Wiesbaden); Pia Hollenstein (Intensivschwester, Berufsschullehrerin und grüne Nationalrätin in St. Gallen); Christian Winter (angehender Jurist und BioSkop-Mitarbeiter); Paolo Bavastro (Leitender Arzt in der Filderklinik, Stuttgart); Friedrich Leidinger (Psychiater beim Landschaftsverband Rheinland); Inge Kunz (Sozialpädagogin, Bundesvorsitzende von OMEGA); Franco Rest (Professor für Sozialphilosophie/Sozialethik der Fachhochschule Dortmund); Hans-Hermann Holfelder (Krankenhauspfarrer, Hamburg)

Kurzbeschreibung: Die biomedizinischen Versprechen sind groß. Sie kunden von immer mehr Gesundheit und langem Leben - durch Wissen, Technik und Forschung. Doch die Fortschrittsposen wirken heute bedrohlich. Wenn keine Heilung mehr in Sicht ist, wird der schier genzenlose Handlungswille in der Medizin zum Kritikpunkt. Auch der Glaube an die "ökonomische Unschuld" der Krankenbehandlung ist dahin. Krankenhäuser und Pflegezentren sind nicht allein am Wohl des Einzelnen orientiert. Sie kalkulieren Behandlungskosten und müssen wirtschaftlich arbeiten. Niemand will den Bedingungen eines solchen Medizinbetriebes ausgeliefert sein. Mehr noch: Im Zeichen der Machbarkeit gilt der Gedanke, hilflos dem Lebensende entgegen zu sehen, als unerträglich. Abhilfe versprechen Patientenverfügungen. Vorsorge für eine unbekannte, aber drohende Zukunft ist das Gebot der Stunde. Vorab-Formulare für den Fall hoffnungsloser Krankheit, schwerer Behinderung, Koma oder Pflegebedürftigkeit im Alter sollen "gutes" Sterben ermöglichen - und "unnötiges" Leiden verhindern. Bei schlechter Prognose und mangelnder Besserungsaussicht wird der schnellstmögliche Tod gewollt - hierzulande durch Behandlungsabbruch und Schmerzmittel. In einigen Ländern ist die "Dienstleistung Selbstmord" und die professionelle Tötung durch Fachpersonal ein Angebot der Wahl, um dem Lebensende zügig entgegen zu eilen.

Sterben wird heute als individuelles Entscheidungsproblem erdacht und scheint nur durch gesteigerte Kontrolle in Form von Verfügungen und dem Ruf nach Dienstleistungen seine Schrecken zu verlieren. Wird das Leben mit schwerer Krankheit damit einfacher oder "selbstbestimmt"? Stellt im Zeichen von "Kostenexplosion"-Rhetorik der frei verfügte Verzicht nicht auch eine Gefahr dar, für Leib und Leben vieler? Weicht die soziale und gesellschaftliche Sorge aller - unmerklich - der einsamen Willensentscheidung?

Kontakt: BioSkop e.V.
Frau Erika Feyerabend
Bochumer Landstraße 144 a
45276 Essen

Fax: 0201 / 53 66 70 5
erika.feyerabend@t-online.de

Veranstalter: BioSkop e.V., Heinrich-Böll-Stiftung NRW, Behindertenreferat des evangelischen Stadtkirchenverbandes Essen, OMEGA Bocholt, Hannah Arendt Bildungswerk

Schlagworte: Sterbehilfe

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