Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Sommer-Symposium - Die Würde des Menschen ist antastbar - Ethik und Biowissenschaften

Termin: 5.9.2002 bis 8.9.2002

Veranstaltungsort:
Mariasteinerhof
Mariastein bei Wörgl

Referenten: Dr. med. Holger Baumgartner (Institut für Biochemische Pharmakologie der med. Fakultät der Universität Innsbruck, stellv. Vorsitzender und Geschäftsführer der Ethikkommission der med. Fakultät der Universität Innsbruck); Ass. Prof. Univ. Doz. Mag. Dr. phil. Wilhelm Berger (Sozialwissenschaftler und Philosoph, Institut für Interdiziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Graz, Innsbruck, Klagenfurt und Wien); Dr. med. Kurt Grünewald (Internist an der Universitätsklinik Innsbruck, Nationalabgeordneter und Gesundheits- und Wissenschaftssprecher der Grünen); Univ. Prof. Dr. phil. Peter Kampits (Vorstand des Instituts für Philosophie an der Universität Wien); Dr. phil. Dr. med. Univ. Doz. Barbara Meier (Institut für Ethik und Recht inder Medizin an der Universität Wien, Oberärztin der Landesfrauenklinik Salzburg); Birgit Primig-Eisner (Vorsitzende der "Ethikkommission für die Bundesregierung"); Lisbeth N. Trallori (Lehrbeauftragte an den Universitäten in Wien, Graz und Klagenfurt)

Kurzbeschreibung: Unzweifelhaft ist die Welt um uns komplexer und damit auch komplizierter geworden. Der Fortschritt der
naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung wird immer rasanter und immer weniger Menschen sind in der Lage
seine Auswirkungen auf ihren Nutzen, sowie ihre potentiellen Risiken zu beurteilen. Blinde Fortschrittsgläubigkeit, wie
fundamentale Ablehnung, begegnen uns in der Diskussion über den wissenschaftlichen Fortschritt meist recht ungeordnet
nebeneinander. Beide Zugänge, oft mit dem Selbstbewusstsein von Privatoffenbarungen verkündet, werden der Wahrheit selten
gerecht.
Kriterien, nach denen diese Fragen zu beantworten sind, erlangen nur gesellschaftliche Verbindlichkeit, wenn sie in möglichst
breitem Konsens definiert werden und sich durch die Vielfalt der Blickwinkel auszeichnen. Ethische Konzepte müssen einer
Überprüfung in der Praxis standhalten. Ohne breiten Dialog und dem Bemühen um Konsens bleibt alles graue Theorie.
Wie Politik aufgerufen ist eine Welt zu gestalten, die menschlicher und gerechter ist, muss es auch Ziel einer gelebten Ethik
sein, die tägliche Praxis politischen Handelns nachhaltig positiv zu beeinflussen. Ethik als dogmatisch, fundamentalistische
Verordnung von oben ist in einer pluralistischen Gesellschaft mündiger BürgerInnen zum Scheitern verurteilt. Dem Wunsch
nach raschen und verbindlichen Stellungnahmen zu allen komplexen Fragestellungen der " Bioethik" mit dem eiligen Entwurf
einer Parteiethik zu entsprechen, ist unseriös und würde zu berechtigter Kritik führen.
Ohne bestehende Kontroversen zu verschweigen, werden wir lernen müssen mit vielfältigen Widersprüchen respektvoll
umzugehen und die gesellschaftliche Bedeutung von Wissenschaft und Forschung wie die damit verbundenen Risiken
öffentlich zu debattieren. Meinungsvielfalt und höchstmögliche Objektivität sind dazu notwendige Voraussetzungen. Eine breite
und offene Bioethikdiskussion soll verhindern, dass sich die Motive unseres Handelns nur auf Gefühle berufen oder aber sich
allein auf naturwissenschaftliche und ökonomische Überlegungen reduzieren. Naturwissenschaftliche Entwicklungen bedürfen
daher einer Außensicht und einer Einordnung in ein komplexes System der Wahrnehmung und konsensueller Grundwerte.
Auch eine von Oben verordnete Moral, die einem rationalen, freien und offenen Dialog zuwiderläuft, ist in einer pluralistischen
und säkularen Gesellschaft kein gangbarer Weg der verantwortlichen Wissenserweiterung. Erst eine ganzheitliche Betrachtung
ermöglicht einen umfassenden, fairen, humanen und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Fortschritt.

Kontakt: Grüne Bildungswerkstatt Tirol,
Angerzellgasse 4
6020 Innsbruck
Österreich

Montag bis Donnrestag von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr
Tel. und Fax: 0512/580624
Mobil: 0650/4356924


gruebi@tirolkultur.at
http://www.tirolkultur.at/gruebi/

Veranstalter: Grüne Bildungswerkstatt

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