Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Die Büchse der Pandora: die neuen Biowaffen der Gentechnologie.

Termin: 25.10.2002 bis 26.10.2002

Veranstaltungsort:
Haus Mühlberg
Am Mühlberg 17
67677 Enkenbach

Referenten: Prof. Dr. rer.nat. Erhard Geissler (Emeritus am MDC Max-Dellbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch); Prof. Dr. Kathryn Nixdorff (Institut für Mikrobiologie, Technische Universität Darmstadt); Prof. Dr. Christian Tomuschat (Institut für Völker- und Europarecht, Humboldt-Universität Berlin); Dr. Oliver Meier (Internationaler Repräsentant und Korrespondent der "Arms Control Association", Berlin); Dr. Wolfgang Beer (Geschäftsführer der Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD), Bad Boll)

Kurzbeschreibung: Biowaffen sind billig. Nach Berechnungen von Experten kostet
die atomare Verwüstung einer Fläche von einem
Quadratkilometer etwa 800, mit Biowaffen dagegen nur einen
Dollar. Ihre Produktion ist einfach. Sie erfordern keine
komplexen Hochtechnologien, ihre Herstellung ist schwer
kontrollierbar. In lebenden Organismen vermehren sie sich
selbst. Sie verbreiten sich lautlos und töten rasch. Wenn sie
diagnostiziert werden, ist es in der Regel zu spät. Bereits im
ersten Golfkrieg ließen die USA ihre Truppen gegen Pocken
impfen. Und auch jetzt werden die Planungen für einen
Präventivkrieg gegen den Irak unter anderem damit begründet,
dass es darum ginge, die Produktion biologischer Kampfstoffe
im Land zu verhindern. Diese Diskussion zeigt, welche
Bedeutung dem Gefahrenpotential allein der "klassischen"
Biowaffen zugeschrieben wird.
Das Giftgasattentat auf die UBahn in Tokio und die
AnthraxÜberfälle nach dem Anschlag auf das World-Trade-
Center im vergangenen Jahr haben diese Einschätzung noch
einmal verstärkt. Immer deutlicher wird dabei, dass zusätzliche
und neue Risiken durch die molekulare Biotechnologie als einer
"dual-use"-Technologie hinzukommen. So wie sie in Diagnose
und Therapie einsetzbar ist, kann sie zur "Aufrüstung" von
Biowaffen genutzt werden. Viren und Bakterien, die gegen
Impfungen immun oder antibiotikaresistent sind, die unbekannte
Krankheitssymptome auslösen, sind längst Realität. Nach einer
Studie des amerikanischen Büros für Technikfolgenabschätzung
hatten bis 1995 bereits siebzehn Staaten biologische Waffen
entwickelt, in der Mehrheit in geopolitischen Krisenregionen.
Zwar gibt es seit 1972 eine B-Waffen-Konvention, die auch
von den NATO-Mitgliedern und den Staaten des ehemaligen
Warschauer Pakts unterzeichnet wurde und die die Ächtung
und Vernichtung der vorhandenen biologischen Waffen
vorsieht. Aber für die konkrete Umsetzung, insbesondere für
das Problem einer effektiven Kontrolle, konnten bislang keine
wirklich überzeugenden, vertrauensbildenden Lösungen
gefunden werden. Die entsprechende Skepsis ist deshalb eher
gewachsen. Ob die für Mitte November dieses Jahres geplante
nächste Überprüfungskonferenz des B-Waffen- Abkommens
zu einem anderen Ergebnis kommen wird, ist zu bezweifeln. Zu
groß ist das gegenseitige Misstrauen unter den Beteiligten, zu
gering ihre Bereitschaft zu Transparenz und Offenlegung,
insbesondere dazu, im jeweils eigenen Land internationale
Kontrollinspektionen zuzulassen. Wie sieht das derzeitige
Spektrum bekannter Bio-Waffen aus, von welchen
Bedrohungsszenarien ist auszugehen? Bietet die Gentechnik
den "atomaren Habenichtsen in der Welt" die Chance zur
"Atombombe des kleinen Mannes"? Ist mit jedem Impfstoff
gegen potentielle Biowaffen die faktische Verfügbarkeit über
den Kampfstoff schon gegeben?

Kontakt: Geschäftsstelle der Evangelischen Akademie der Pfalz
Domplatz 5
67346 Speyer

Tel.: 06232 / 6 02 00
Fax: 06232 / 60 20 22

info@eapfalz.de
http://www.evangelische-akademie-pfalz.de

Veranstalter: Evangelische Akademie der Pfalz

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Katrin Platzer - Evangelische Akademie der Pfalz

Schlagworte: Genforschung/-technik

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