Titel: Wie verändern die Biowissenschaften das Selbstverständnis des Menschen?
Beginn:
21.11.2002
Veranstaltungsort:
Hörsaal 1b (Rostlaube)
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Referenten: 21.11.2002 Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (Biologin, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen); Prof. Dr. Volker Gerhardt (Philosoph, Humboldt-Universität Berlin)
Wer den Fortschritt der Biotechnologie wörtlich nimmt, hat das Kernproblem der modernen Biologie bereits erkannt.
Wer so schnell fort schreitet, lässt der Gesellschaft kaum Möglichkeit Anschluss zu halten. Der Forschungsgalopp von
Gentherapie und Gendiagnostik, Fortpflanzungstechnik, Stammzellforschung und regenerativer Medizin ist jeder
Diskussion um Für und Wider um Längen voraus. Insbesondere westliche Gesellschaften, deren Reichtum auf Technik
beruht, haben wenig Mechanismen entwickelt, langsam und besonnen auf die Umbrüche zu reagieren. Statt dessen
regieren die Extreme: Hysterie und Euphorie, Technikbegeisterung und Technikfeindlichkeit verlangen von jedem
Diskutanten eine klare Positionierung, Zwischentöne und Unentschiedenheit sind unerwünscht.
Wie biologisches Wissen mit philosophischen Wertschätzungen sich verbindet oder ringt, davon handelt die
Ringvorlesung "Bioethik und Biopolitik. Eine Folgenabschätzung der neuen Technologien". Wie keine andere
Technologiedisziplin verändern die neuen Biotechniken mit dem Eingriff in die physische Natur des Menschen auch das
Selbstverständnis unserer auf Regulation und Kontrolle basierenden Gesellschaften. Der anhaltende Streit um das Für
und Wider der Technologien macht deutlich, dass es keinen verbindlichen Wertekonsens mehr gibt, auf den man sich
berufen könnte. Alle Parteien nehmen für sich in Anspruch, die Natur des Menschen verbessern und die Zukunft der
Menschheit verantwortlich gestalten zu wollen. Die Vorlesung soll eine breite studentische wie akademische
Öffentlichkeit erreichen. Bislang "begegnen" sich die Teilnehmer/innen des Diskurses gleichsam unter Umgehung ihrer
Körperlichkeit nur auf den Seiten der Feuilletons der Bundesrepublik. Als Anreiz für die Vortragenden wie die
Zuhörenden sind die Vorlesungstermine immer paarweise besetzt. Die Naturwissenschaft soll mit der Philosophie
buchstäblich in Kontakt gebracht werden.
Kontakt:
Dr. Mirjam Schaub und Sascha Karberg
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Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann; Dr. Mirjam Schaub; Prof. Dr. Ferdinand Hucho;, Sascha Karberg