Titel: Der erkannte Mensch - Einflüsse bildgebender Verfahren auf ethische Entscheidungen im Umgang mit menschlichen Embryonen
Beginn:
21.6.2003, 10:00
-17:30 Uhr
Veranstaltungsort:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover
Kurzbeschreibung:
Die Fortpflanzungsmedizin und Entwicklungsbiologie der vergangenen 20 Jahre haben wesentlich zu unseren Kenntnissen und Vorstellungen von der menschlichen Frühentwicklung beigetragen. Wir wissen durch Bilder des mikroskopisch kleinen menschlichen Embryos, dass er einige Stunden nach der Befruchtung aus einem Aggregat weniger Zellen besteht, sich seine Gestalt in dieser Phase also wesentlich von der eines geborenen Menschen und kaum von frühen Embryonen anderer Säugetiere unterscheidet. Solche mikroskopischen Bilder können zum Zweck biologischen Erkenntnisgewinns hilfreich sein und in diesem Sinn ausgewertet werden. Im Rahmen des medizinethischen Diskurses sind sie problematisch. Sie legen Wahrnehmungen und Interpretationen nahe, die neue ethische Fragen aufwerfen, indem sie die Zuschreibung eines bestimmten moralischen Status des Embryos als unplausibel erscheinen lassen. Der Göttinger Embryologe Erich Blechschmidt stellte bereits 1968 fest: "Der winzige unscheinbare Mensch ist heute noch fast unbekannt. Manche sehen ihn nur als dem Tierreich zugehörig an, andere als den Menschen in seiner elementarsten Ursprünglichkeit. Das frühe Dasein ist so zu einem Problem geworden. " Das Bild - so die These zu der geplanten Veranstaltung - unterliegt einer bewussten oder unbewussten Deutung des jeweiligen Betrachters. Möglicherweise wird durch bildgebende Verfahren eine Sicht des "Objekts" nahegelegt, die die Problematik eines ethischen Zugangs verstellt oder in einem bestimmten Sinn beeinflusst. Es ist sicher nicht möglich, durch den Bezug auf das "naturwissenschaftliche 'Bild' " eine ausreichende Basis für die gesellschaftliche Konsensbildung in der Statusfrage des Embryos zu gewinnen Auf dieser Veranstaltung soll den Fragen nachgegangen werden, welche Wahrnehmungsmuster den Interpretationen der Bilder des frühen menschlichen Embryos zugrunde liegen, aus welchen Quellen sie gespeist werden und welche Rückschlüsse sich ergeben für die derzeitige kontroverse Diskussion über den Status menschlicher Embryonen. In welcher Beziehung stehen ethische Urteile zu "naturwissenschaftlichen Fakten"? Kann es vor diesem Hintergrund einen gesellschaftlichen Konsens in der Statusfrage geben? Wie beeinflussen die Bilder das Staunen über "das Wunder des Lebens", wenn sich die Bilder aller lebensweltlichen Plausibilität der Wahrnehmung von Menschen entziehen? Ist die Einzigartigkeit eines jeden Menschen noch zu begründen, wenn nichts weiter sichtbar ist als ein Zellhaufen? Liefern sich Theologie und Ethik der Naturwissenschaft aus, wenn sie sich an biologischen Erklärungen des Lebensbeginns orientieren?Die Beantwortung dieser Fragen hat entscheidenden Einfluss auf gegenwärtige und zukünftige ethische Entscheidungen über den Umgang mit menschlichen Embryonen z.B. in der Stammzellforschung und der Präimplantationsdiagnostik.Christa Wewetzer,Prof. Dr. Gerhard KruipMichael StierDr. Gerald Neitzke(nach Bewilligung:)Die Tagung wird gefördert durch dieStiftung Niedersachsen
Kontakt:
Zentrum für Gesundheitsethik
Ev. Akademie Loccum
Knochenhauerstraße 33
30159 Hannover
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Fax: +49 - (0)511 - 1 24 14 97
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Veranstalter:
Zentrum für Gesundheitsehtik
Schlagworte:
Embryonale Stammzellen, Embryonenforschung