Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Der Zugriff auf den Embryo

Termin: 7.11.2003, 15:30 Uhr, bis 9.11.2003, 16:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Johann-Sebastian-Bach-Haus
"Keysermühle"
Klingenmünster

Referenten: siehe Homepage

Weitere Informationen:
http://www.eapfalz.de/fr-tagun.html

Kurzbeschreibung: Zwanzig Jahre nach der Geburt des ersten extrakorporal gezeugten Kindes gehören Techniken wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Pränataldiagnostik (PND) zum medizinischen Alltag. Mit ihnen sind Keimzellen und vorgeburtliches menschliches Leben in den Zugriffsbereich der klinischen wie der forschenden Medizin gerückt. Weitere Methoden wie die Präimplantationsdiagnostik (PID), embryonale Stammzellforschung, therapeutisches und reproduktives Klonen werden zur Anwendungsreife entwickelt.

Die ethische und rechtliche Bewertung dieser Verfahren verbunden mit der Frage, welche von ihnen unter welchen Bedingungen zulässig sein sollen, sind aber nach wie vor weit von einem nationalen gesellschaftlichen Konsens oder gar international bindenden Regelungen entfernt. Der bestehende Dissens über die Medizin am menschlichen Embryo ist so tiefgreifend, dass kaum zu erwarten steht, dass er aufgehoben werden kann. Welcher ontologische, moralische und verfassungsrechtliche Status dem außerhalb des Mutterleibs befindlichen Embryo beigemessen werden soll, ist strittig.

Verfechter einer absoluten Schutzwürdigkeit, die ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle anhebt, stehen denen gegenüber, die eine relative Schutzwürdigkeit befürworten, die das Leben des frühen Embryos gegen andere Güter abzuwägen erlaubt, wie z. B. die Möglichkeiten, die die Präimplantationsdiagnostik und Stammzellforschung versprechen. Trotz dieser Gegensätze muss der Umgang mit Embryonen praktisch geregelt werden. Nach der Sonderregelung zum Stammzellimport steht nun die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik zur Diskussion. Innerhalb kurzer Zeit ist der menschliche Embryo vom Gegenstand des Staunens zu einem Objekt des Handelns geworden. Die rasch voranschreitenden Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Embryonenforschung erfordern verbindliche Kriterien zur moralischen und rechtlichen Bewertung des extrakorporalen Embryos – insbesondere, damit nicht, wie manche befürchten, unsere Ehrfurcht vor dem Leben mit der Enthüllung seiner Geheimnisse schwindet.

Wir wollen die Reichweite traditioneller Kategorien unserer eigenen sowie anderer Kulturräume und Religionsgemeinschaften prüfen und der Frage nachgehen, was sie an Orientierungswissen zur Klärung beitragen können. Zu diesem Zweck werden wir medizinische, juristische, philosophische und theologische Perspektiven auch unter interkulturellem Aspekt miteinander ins Gespräch bringen.

Kontakt: Dr. Katrin Platzer
Evangelische Akademie der Pfalz
Große Himmelsgasse 3
Speyer

Tel.: 06232 - 6 02 00
katrin.platzer@eapfalz.de

Schlagworte: Embryonale Stammzellen, Embryonenforschung

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