Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Die Zerstörung des Menschen: Psychiatrie im Dienste totalitärer Herrschaft

Termin: 27.4.2004, 14:00 Uhr, bis 29.4.2004, 12:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Akademie für Politische Bildung
Buchensee 1
82323 Tutzing

Referenten: Dr. rer. pol. Götz Aly (Historiker, Berlin) * Dr. phil. Uwe Kaminsky (Historiker, Fliedner-Kulturstiftung Düsseldorf-Kaiserswerth) * Prof. Dr. med. Volker Roelcke (Gf. Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Gießen) * Dr. med. Jan Nedoschill (Universitätsklinikum Erlangen, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) * Dipl.-Psych., Dr. phil. Hans-Ludwig Siemen (ltd. Psychologe, Klinikum am Europakanal, Erlangen) * Dr. med. Gerrit Hohendorf (Dachau/Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg) * Dr. phil. Annette Weinke (Historikerin, Berlin) * Dr. med. Sonja Süss (Fachärztin für Psychiatrie, Berlin) * Dr. phil., Dipl. Phys. Dietrich Koch (Universität Essen) * Dr. med. Friedrich Weinberger (Vorsitzender der Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V., Starnberg) * Dr. med., Dr. rer. nat. Reinhard Nehring (Abteilungsleiter, Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, Magdeburg (angefragt))

Weitere Informationen:
http://www.apb-tutzing.de/veranstaltungen/20041/index.php#April

Kurzbeschreibung: Mehr als 200.000 Menschen sind unter dem Nationalsozialismus ermordet worden, weil sie psychisch krank oder geistig behindert waren. Obgleich spätestens seit dem Nürnberger Ärzteprozess die Fakten bekannt gewesen sind, wurden sie lange Zeit "beschwiegen" (Hermann Lübbe). Erst in den 70er Jahren wurde im Zusammenhang mit der damals aktuellen Reform der Anstaltspsychiatrie auch die Vergangenheit aufgearbeitet. Inzwischen tut sich ein weites und differenziertes Forschungsfeld auf, welches noch intensiver mit der generellen zeitgeschichtlichen Diskussion verknüpft werden müsste. Zudem wären von hier aus Bezüge zu aktuellen forschungsethischen Fragestellungen herzustellen. Gleichwohl bleiben die nationalsozialistischen Vernichtungsaktionen unvergleichlich.

Ob es auch in der DDR in gänzlich anderen Dimensionen Psychiatriemissbrauch gegeben hat, wird seit 1990 kontrovers diskutiert. Mehrere Untersuchungskommissionen haben sich dieser Frage gewidmet. Tatsächlich lassen sich wohl keine direkten Vergleichslinien zu speziellen systematischen Praktiken in der Sowjetunion oder in Rumänien zur kommunistischen Zeit ziehen. Dennoch gibt es bedrückende Einzelerfahrungen und politisch motivierte Grenzüberschreitungen von Ärzten und Staatssicherheit, die auch hier den Vorwurf des Psychiatriemissbrauchs berechtigt erscheinen lassen, von den inhumanen Zersetzungsstrategien der Stasi ganz abgesehen. Es besteht noch immer genügend Informations-, Diskussions- und Klärungsbedarf.


Hinweis: Im Vorfeld dieser Tagung findet am 26. und 27. April 2004 eine thematisch verwandte zur Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland statt: "Nach sozialer Selektion und Ethanasie: Aufbruch zum eigenständigen Fachgebiet." Für Programmanforderungen oder Anmeldungen beachten Sie bitte die Hinweise zum Tagungssekretariat.

Kontakt: Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter
Frau Dorothea Winckler
Frau Sybille Haug

Akademie für Politische Bildung
Buchensee 1
82323 Tutzing

Tel.: +49 - (0)8158 - 2 56 47
Fax: +49 - (0)8158 - 2 56 37

Chefsekretariat@apb-tutzing.de
http://www.apb-tutzing.de

Veranstalter: Akademie für Politische Bildung

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter

Schlagworte: Psychiatrie

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