Titel: 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: Qualität durch Kompetenz
Termin: 19.6.2004 bis 22.6.2004
Veranstaltungsort:
90471 Nürnberg
Weitere Informationen:
http://www.dac2004.de/
Qualität bedeutet für unser Fachgebiet Sicherheit sowie Komfort und Zufriedenheit für die Patienten in der perioperativen Phase, aber auch Effizienz unseres Handelns. Qualität in der Intensivmedizin steht für Überleben und Lebensqualität schwerst erkrankter oder verletzter Menschen, in der Schmerztherapie für Befreiung oder Linderung von akuten und chronischen Schmerzen, in der Notfallmedizin für optimale Versorgung in der präklinischen Phase. Qualität schulden wir zunächst und vor allem den Patienten, aber auch unseren operativen Partnern, die zu Recht höchste Leistungen von uns erwarten, da deren Ergebnisqualität in nicht geringem Masse von der Kompetenz unseres Faches abhängt, darüber hinaus dem Krankenhaus als Unternehmen und der Gesellschaft als Ganzem.
Qualitätsmängel sind nicht nur aus ethischer Sicht zu beseitigen, sondern auch aus ökonomischen Gründen nicht hinnehmbar, da sie neben Leid auch enorme Kosten verursachen. Medizin und Ökonomie, Qualität und Kosten stehen nicht grundsätzlich im Widerspruch, können aber besonders in Grenzsituationen zu erheblichen Konflikten führen. Im anstehenden und tiefgreifenden Veränderungsprozess im Gesundheitswesen müssen ethische Grundsätze besondere Beachtung finden; der DAC 2004 widmet dem Thema Ethik deshalb grossen Raum. Die traditionelle Hellmut-Weese-Gedächtnisvorlesung, die dieses Jahr im Rahmen der Eröffnungsfeier stattfindet, setzt sich mit der aktuellen und gerade in der Intensivmedizin zunehmend wichtigen Frage der Bedeutung der Patientenautonomie auseinander. Der Festvortrag von Prof. Jochen Taupitz, Universität Mannheim sei allen besonders ans Herz gelegt.
Es ist unsere Aufgabe, die Rolle der Anästhesiologie mit seinen vier Säulen als qualitätssicherndes Querschnittsfach deutlich zu machen, sowie der mancherorts aufkommenden Auffassung, die Anästhesie sei als Kostenfaktor beliebig reduzierbar, entgegenzuwirken. Den Krankenhausträgern, den Geschäftsführungen, den Kostenträgern sowie der Öffentlichkeit muss überzeugend dargestellt werden, dass eine moderne Anästhesie in der gesamten perioperativen Medizin einen wesentlichen Beitrag zu Qualität, Sicherheit und Effizienz liefert. Dies gilt für die präoperative Risikoeinschätzung und Vorbereitung, für einen reibungslosen und komplikationsfreien Verlauf in der intraoperativen Phase und für die postoperative Betreuung in den Aufwachräumen oder Intermediate Care Stationen. Dies gilt ganz besonders auch im Hinblick auf eine optimale postoperative Schmerztherapie, die nicht nur den Anspruch des Patienten auf Schmerzfreiheit erfüllt, sondern auch zu weniger Komplikationen und zu einer schnelleren Genesung führt. Dies gilt für eine bestmögliche intensivmedizinische Versorgung schwerst kranker und verunfallter Patienten: Intensivmedizin ist ein Kerngebiet unseres Faches, dem wir in guter und bewährter Kooperation mit unseren chirurgischen Partnern in Zukunft besondere Aufmerksamkeit schenken sollten. Aufgrund unseres traditionell interdisziplinär ausgerichteten Denkens und unsere fachlichen Kompetenzen sowie der multiplen Vernetzungen unseres Faches innerhalb des Krankenhauses sind wir gut gerüstet, eine qualitativ hochwertige und effiziente interdisziplinäre Intensivmedizin zum Wohle der Patienten und zur Zufriedenheit unserer Partner zu verwirklichen.
Qualitätsmanagement und Risikomanagement sind deshalb wichtige Aufgaben. Das von der DGAI bereits initiierte bundesweite Simulatortraining und ein geplantes Critical Incident Reporting System sind exzellente Ansätze, um aus der culture of blame eine echte Sicherheitskultur in der Anästhesie und in der gesamten Medizin zu entwickeln. Als roter Faden ist dies aus vielen Veranstaltungen des DAC 2004 ersichtlich.
Qualität kann nur durch höchstmögliche Kompetenz jedes Einzelnen, einer optimalen Organisation der Anästhesieeinrichtungen und der Kompetenz des Fachgebietes als Ganzes erreicht werden. Die Qualifikation jedes Anästhesisten durch kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung ist ein wichtiges Anliegen der DGAI und ihrer Jahrestagungen. Neben Professionalität und handwerklicher Kompetenz ist die innere Einstellung zu unserem Beruf ebenso wichtig: Anästhesie nicht nur als Job zu verstehen, sondern uns als Ärzte zu begreifen, die dem Patienten zu Sorgfalt und Zuwendung verpflichtet sind. Hierzu gehört die Bereitschaft zur interdisziplinären und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, die Motivation neue Aufgaben zu übernehmen - beispielhaft seien OP-Management, perioperative Medizin, akuter Schmerzdienst oder Palliativmedizin genannt sowie die Bereitschaft sich als Integrationsfaktor in den Krankenhäusern einzubringen. Ohne Zweifel wird das DRG-Zeitalter erhebliche Turbulenzen und umwälzende Neuerungen auslösen: Wir Anästhesisten sind meines Erachtens gut aufgestellt und auch bereit, die neuen Strukturen mutig und innovativ mitzugestalten; Resignation und defensive Grundhaltung sind Fehl am Platz. Als typisches Querschnittfach mit teamorientierter Grundstruktur sind wir für die neuen Aufgaben hervorragend geeignet.
Auch als akademisches Fachgebiet müssen wir uns kompetent und zukunftsorientiert positionieren. Hier haben die universitären Einrichtungen und die akademischen Lehrkrankenhäusern sowie unsere wissenschaftliche Gesellschaft eine wichtige Verantwortung: Die Anästhesiologie muss allen Versuchen entgegenwirken, aus dem Fach ein reines handwerkliches Dienstleistungsgewerbe zu machen; die Anästhesiologie ist ein eigenständiges akademisches Fach mit selbständigen Forschungs- und Lehraufträgen. Die vielerorts interdisziplinär angelegten Forschungsprojekte und die Aktivitäten im studentischen Unterricht mit modernen Mitteln hier sei nochmals das Simulatortraining bei der Vermittlung notfallmedizinischer Inhalte genannt - sind Ausdruck der akademischen Bedeutung unseres Fachgebietes.
Die DGAI und ihre Tagungen spielen bei den aktuellen Herausforderungen eine wichtige Rolle: Neben der Darstellung des state of the art bietet der DAC den jungen Wissenschaftlern unseres Faches eine Plattform, ihre Ergebnisse zu präsentieren und die Anästhesiologie als wissenschaftlich aktives Fach darzustellen.
Uns allen bietet der DAC über den wissenschaftlichen Informationszugewinn hinaus eine gute Möglichkeit in vielen Begegnungen und Gesprächen "am Rande des Kongresses unseren Standort zu diskutieren, Lösungen für die vielen aktuellen Fragestellungen zu finden und uns für die Zukunft fit zu machen.
Kontakt:
Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Katharinenhospital
Kriegsbergstraße 60
70174 Stuttgart
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Tel.: +49 - (0)711 / 2 78 30 01
Fax:: +49 - (0)711 / 2 78 30 09
c.krier@katharinenhospital.de
Veranstalter: Medizinische Congressorganisation Nürnberg AG, Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Berufsverband Deutscher Anästhesisten, Deutsche Akademie für Anaesthesiologische Fortbildung