Titel: Willensfreiheit als interdisziplinäres Problem
Termin: 11.6.2004 bis 12.6.2004
Veranstaltungsort:
Gießhaus
Mönchebergstraße 5
Das Problem der Willensfreiheit gehört in der Philosophiegeschichte spätestens seit Aristoteles zum festen Themenbestand. Speziell von Anhängern des metaphysischen Materialismus wurde die Fähigkeit zu freien Willensentscheidungen alles in allem verleugnet. Diese Annahme hat sich in der Gegenwart noch verschärft. Zum einen ist die Kenntnis der neuronalen Strukturen, die sich auf Willenshandlungen beziehen, aufgrund von Untersuchungen des menschlichen Gehirns mit so genannten bildgebenden Verfahren immens angewachsen. Zum anderen haben psychologische Untersuchungen unbewusster psychischer Strukturen gezeigt, dass es für eine "freie" Entscheidung, wenn überhaupt, nur sehr wenig Spielraum geben könne. Angesichts dieser Befunde weisen Philosophen nach wie vor nachdrücklich darauf hin, dass eine Widerlegung der Sphäre freier Entscheidung zu fatalen ethischen und juridischen Konsequenzen führen würde. Viele unter ihnen sind außerdem der Meinung, dass die Annahme eines freien Willens von experimentalwissenschaftlicher Seite her gar nicht angefochten werden könne.
Zur Klärung der Zentralfrage der Tagung werden zunächst Gerhard Roth (Bremen) und Ferdinand Hucho (Berlin) als Neurowissenschaftler sowie Thomas Goschke (Dresden) und Matthias Willmann (Kassel) als Psychologen einschlägige Befunde präsentieren, die der Annahme eines freien Willens entgegenstehen. In einem zweiten Schritt werden von wissenschaftstheoretischer und wissenschaftshistorischer Seite aus Erhard Oeser (Wien), Michael Pauen (Magdeburg) und Kristian Köchy (Kassel) die empirischen Befunde einer kritischen Prüfung unterziehen. Die Frage, inwieweit Neurowissenschaft und Psychologie in formaler Hinsicht kompatibel sind, wird in einem dritten Schritt von dem Neuroinformatiker Heinrich Werner (Kassel) und dem Philosophen und Physiker Martin Norwig (Kassel) untersucht. Die erkenntnistheoretische Dimension des Problems wird aus unterschiedlichen Perspektiven von Bettina Walde (Mainz), Heinz Eidam (Kassel) und Frank Hermenau (Kassel) thematisiert, woran sich die Untersuchung der Kompatibilität von Stufen- und Netzmodellen von Dirk Stederoth (Kassel) anschließt. Abschließend wird Ansgar Beckermann (Bielefeld) sich nochmals dem Problem von Freiheit und neuronaler Determiniertheit annehmen.
Kontakt:
Herr Dr. Dirk Stederoth
Universität Kassel
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