Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Organspende – eine mitmenschliche Pflicht?

Termin: 11.10.2004 bis 13.10.2004

Veranstaltungsort:
Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstraße 2 - 4
82324 Tutzing

Weitere Informationen:
http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/programm/detail.php3?lfdnr=639& ...

Kurzbeschreibung: Die Transplantation von Organen ist zu einer Routinetherapie geworden. Medizinisch sind die entsprechenden Verfahren eingeführt und bewährt, und auch die Legitimationsdebatte, die über Jahre hinweg in einer breiten engagierten Öffentlichkeit heftig geführt wurde, ist nach der Verabschiedung des Transplantationsgesetzes durch den Deutschen Bundestag deutlich abgeebbt. Zwar sind die ethischen Kontroversen, die sich vor allem um das Hirntodkriterium herum aufbauten, nicht ausgeräumt, aber rechtlich ist die Sache – zumindest bis auf Weiteres – entschieden. Die große Mehrheit der Beteiligten auf allen Seiten scheut offenkundig davor zurück, das mühsam zusammengefügte Kompromisspaket schon bald wieder aufzuschnüren.

Doch der Druck, der von der Knappheit an transplantierbaren Organen bei gleichzeitiger Zunahme des Bedarfs (wodurch auch immer beides ausgelöst wird) ausgeht, lässt die kritischen Anfragen an die gesetzlich festgelegten Restriktionen für die Beschaffung von Organen lauter werden. So wird die Zulassung von Lebendspenden auch an nicht verwandtschaftlich oder emotional nahestehende Personen – bis hin zu verschiedenen Formen eines finanziellen Ausgleichs dafür – inzwischen nicht mehr nur heimlich empfohlen, und die Frage nach einer Änderung der im Gesetz verankerten erweiterten Zustimmungslösung für die Organentnahme bei Hirntoten hin zu einer Widerspruchslösung wird immer einmal wieder aufgeworfen. Darüber hinaus verstärkt der vom Mangel und der öffentlichen Darstellung seiner Folgen ausgehende Druck den moralischen Appell an alle Bürgerinnen und Bürger, sich – jedenfalls nach dem irreversiblen Ausfall der gesamten Hirnfunktion, in einem gegebenen Fall aber auch schon zu Lebzeiten – als Organspender zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem bleibt in Deutschland die Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende gering. Tendenziell nimmt sie sogar eher noch ab. Die Frage nach den Ursachen für diesen Stand der Dinge und diese Entwicklungstendenz steht im Zentrum der Tagung „Organspende – eine mitmenschliche Pflicht?“. Welche Gründe gibt es für die Zurückhaltung vieler und sind diese nur fragwürdig oder auch verständlich? Wirken möglicherweise manche Aktivitäten der Befürworter von Regeländerungen eher kontraproduktiv? Gibt es andere, vielleicht bessere Möglichkeiten zur Lösung oder zumindest zur Verringerung der Probleme?

Wir laden alle, die beruflich, politisch, oder in anderen Zusammenhängen mit solchen Fragen befasst oder aus anderen Gründen daran interessiert sind, herzlich nach Tutzing ein.

Kontakt: Evangelische Akademie Tutzing
Postfach 12 27
82324 Tutzing

Tel.: +49 - (0)8158 - 25 11 25
Fax.: +49 - (0)8158 - 99 64 24

brosch@ev-akademie-tutzing.de
http://www.ev-akademie-tutzing.de

Schlagworte: Organ-/Gewebetransplantation

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