Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

Termin: 14.9.2004, 10:00 Uhr, bis 17.9.2004, 18:15 Uhr

Veranstaltungsort:
CCH-Congress Centrum Hamburg
Am Dammtor / Marseiller Straße
20355 Hamburg

Weitere Informationen:
http://www.dggg-kongress.de/aak/index.jsp

Kurzbeschreibung: Neben den vielen gesundheits- und berufspolitischen Themen der letzten zwei Jahre hat uns im Vorstand der DGGG auch die Frage eines treffenden Mottos für den 55. Kongress der DGGG beschäftigt. Gerade in der Gynäkologie und Geburtshilfe sind viele ethischrechtliche Konfliktfelder erkennbar, die sich in bestimmten Fragestellungen verdichten: pränatale Diagnostik und pränatale Therapie, Schwangerschaftsabbruch, Reproduktionsmedizin, Präimplantationsdiagnostik und Forschung an embryonalen Stammzellen, onkologische Therapie zwischen Radikalität und Lebensqualität, Hormonersatztherapie und Malignomrisiko, optimale Betreuung kleinster Frühgeborener und lebenslange Morbidität. So vieles ist möglich geworden – soll aber auch alles, was machbar ist, in die Tat umgesetzt werden? Unser Motto "Fortschritt ermöglichen – Grenzen erkennen" zieht sich wie ein roter Faden durch diesen Kongress.

Die Diskussion der genannten Fragestellungen ist bisweilen heftig und durch weltanschauliche Kontroversen geprägt: einem pragmatischeren Kurs, der Chancen und Risiken der Biomedizin rational abzuwägen versucht, steht eine eher grundsätzliche Argumentation gegenüber, die das Menschenbild gegen vermeintlich übermäßige Technikgläubigkeit und kommerziell motivierten Fortschrittsoptimismus verteidigt. Tief greifende Auseinandersetzungen sind unvermeidbar. Es ist dabei die Aufgabe der Medizin und auch einer vernünftigen Politik, sie in einer sozial verträglichen Weise auszutragen und dabei ausgleichend zu wirken. Radikale weltanschauliche Entscheidungen sind in einer offenen pluralistischen demokratischen Gesellschaft nicht mehr adäquat. Solche Konflikte sind nicht nur in Deutschland anzutreffen – hier aber besonders ausgeprägt und äußerst schwierig, denn biologiegestützte und rassistische Lehren haben schon einmal im sog. Dritten Reich Missbrauch und Extremismus erfahren. Dies gibt uns die Aufgabe und die Verantwortung, in bioethischen Fragen sorgsam zu handeln und den Entwicklungen gegenüber wachsam zu sein. Es gibt uns aber nicht das Recht, neue Entwicklungen ohne Abwägung der Chancen und Risiken a priori zu verurteilen.

Früher war die Forschung nahezu grenzenlos, und etliche Beispiele zeigen, wie einzelne Forscher Entwicklungen auslösten, deren Tragweite noch nicht erkennbar war (z.B. die Entdeckung der Röntgenstrahlen). So resultierten zwar große Fortschritte, oft aber zu Lasten der Patienten wie der Forscher selbst. Um einem Missbrauch vorzubeugen, sollten Wissenschaftler heute alle denkbaren Nutzungsmöglichkeiten ihrer Ergebnisse im Blick haben und entsprechende Vorsorge treffen; denn wie Max Weber 1919 schon feststellte, ist es nicht damit getan, dass die Medizin ihre Forschungsfreiheit mit Leidenschaft und Augenmaß praktiziert, sie muss sich ihren Forschungsfolgen auch verantwortlich stellen.

Die Frage nach den Grenzen – im Guten, wie im Schlechten – hat die Philosophie und Wissenschaft des Abendlandes immer und immer wieder beschäftigt. Was die Medizin betrifft, so erscheint in der Theorie alles vertretbar, was dem Menschen hilft. Die Realität ist aber ungleich komplizierter. Im Spannungsfeld zwischen der primären Pflicht, dem Patienten zu helfen, und der ethischen Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft stoßen wir immer wieder an Grenzen. Aber wir können auf unsere Entscheidung vertrauen, wenn wir beim Blick auf das medizinisch Machbare Moral und Würde nicht aus den Augen verlieren.

Es war unser Ziel, für den 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine ausgewogene Mischung aus wissenschaftlichen und klinischen Themen zu finden, die Ihr Interesse finden möge. Wir haben uns größte Mühe gegeben, diesem Kongress den Charakter eines offenen Forums zu geben. Hier wird unsere Sache verhandelt, die aller Gynäkologinnen und Gynäkologen in Deutschland und ihrer Patientinnen. Wir hoffen sehr auf Ihre zahlreiche Teilnahme, und wir freuen uns, Sie persönlich in Hamburg begrüßen zu dürfen!

Kontakt: Amelie Aengeneyndt Kongressorganisation GmbH
Prinzenallee 3
40549 Düsseldorf

Tel.: +49 - (0)211 - 96 86 37 70
Fax.: +49 - (0)211 - 96 86 47 70

info@aakongress.de
http://www.aakongress.de

Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Schlagworte: Gesundheitswesen

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