Titel: Zwischen Selbst-Vertretung und bioindustriellem Komplex
Termin:
12.11.2004
Veranstaltungsort:
in Altenessen-Süd
Hövelstraße 71 - 73
45326 Essen
Referenten: Christian von Dewitz (Jurist, Geschäftsführer der Ethik-Kommission am Berliner Universitätsklinikum Charité); Uta Wagenmann (Soziologin / Gen-ethisches Netzwerk Berlin); Erika Feyerabend (Journalistin / BioSkop e.V. Essen); Anne Waldschmidt (Soziologieprofessorin an der Universität Köln); Christoph Kranich (Diplompädagoge, Verbraucherzentrale Hamburg); Johannes Spatz (Arzt, Berliner Forum Patienteninteressen); Karl-Heinz Sekatsch-Winkelmann (Gesundheitswissenschaftler, PatientInnenstelle ProPatientIn Minden)
Weitere Informationen:
http://www.bioskop-forum.de/termine_200406.htm
Bei genauer Erkundung verliert dieses schöne Ideal an Eindeutigkeit. Im Selbsthilfewesen sind Sponsorenverträge mit Pharmafirmen, PF-Agenturen fürs eigene Problem-Management und massive Werbung für klinische Studien, Bio-Banken und andere Projekte der molekularen WissensproduzentInnne an der Tagesordnung. Doch macht der offentsichtliche Mangel an Distanz zu ökonomischen Interessen und Oppositionen gegenüber wissenschaftlichen Fortschrittprojekten die Selbst-Vertretung nicht einfach zum willfährigen Handlager der Pharmaindustrie und Expertenstrukturen. In "partnerschaftlicher Zusammenarbeit" und weiterhin "unabhängig" sollen Geld und Wissen zirkulieren - allein zum Wohle der Betroffenen. Geht das?
Im Zentrum der Tagung sollen weder individuelle Fehltritte von Selbsthilfe-ManagerInnen noch skandalöse Korruptionen im Pharmasektor stehen. Interessanter sind Fragen, die sich den alltäglichen und als selbstverständlich angesehenen Verhältnissen innerhalb der "neuen Partnerschaft" widmen.
Warum werben und finanzieren die pharmazeutischen und biomedizinischen Akteure die Vorstände und Mitglieder im Selbsthilfeverband? Sind hier allein kalkulierbare ökonomische Interessen im Spiel, die durch Leitlinien gezähmt werden können? Wie sieht die aktuelle Forschungslandschaft aus und wie funktioniert die Wissensproduktion, die organisierte Patientenvertretungen offensichtlich braucht? Aber auch: Wie müssen Betroffene sich organisieren oder auch organisiert werden, um finanziert, beworben, gefragt und zur forschungs- und gesundheitspolitischen Partizipation geladen zu werden? Welche Vertretungshierarchien entstehen innerhalb der Selbsthilfe, die doch offen und nicht hierarchisch sein will? Welche Identitäten folgen, wenn PR-Agenturen und universitäre Forschungsabteilungen Kranke oder Riskante als informierte Kunden präsentieren und behandeln? Was wird produziert, wenn GesundheitspolitikerInnen zum Austausch laden und im Zeichen knapper Kassen den Konsens aller Beteiligten fabrizieren wollen?
In- und außerhalb der gefährlichen Zone zwischen Selbstvertretung und bioindustriellem Komplex steht die politische Frage: Was "Patientenvertretung" ist? Was sie sein kann? Und wer soll sie finanzieren?
Kontakt:
BioSkop e.V.
Bochumer Landstraße 144 a
45276 Essen
Tel.: +49 - (0)201 - 5 36 67 06
Fax.: +49 - (0)201 - 5 36 67 05
info@bioskop-forum.de
http://www.bioskop-forum.de
Veranstalter: BioSkop e.V., Heinrich-Böll-Stiftung NRW, OMEGA Bocholt, Hannah Arendt Bildungswerk
Schlagworte: Arzt-Patient-Verhältnis, Gesundheitswesen