Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE)

Titel: Guter Hoffnung in der Risikoschwangerschaft? - Ziele und Praxis der Pränataldiagnostik

Termin: 29.4.2005, 10:15 Uhr, bis 30.4.2005, 12:45 Uhr

Veranstaltungsort:
Evangelische Bildungsstätte aus Schwanenwerder
Inselstraße 27 - 28
14129 Berlin

Referenten: Simone Ehm (Berlin); Dr. Katrin Grüber (Berlin); Dr. Kay Möller (Berlin); Prof. Marli Huijer (Groningen, Niederlande); Dr. Bernhard Wieser (Graz, Österreich); Gisela Pingen-Rainer (Dortmund); Prof. Dr. Heidemarie Neitzel (Berlin); Dr. Angelica Ensel (Hamburg); Prof. Dr. Anne Waldschmidt (Köln); PD Dr. med. Dipl. Psych. Ingrid Kowalcek (Lübeck); Marion Baldus (Heidelberg)

Weitere Informationen:
http://www.eaberlin.de/details.php?id=93

Kurzbeschreibung: Schwangere Frauen werden in Deutschland überwiegend in gynäkologischen Praxen versorgt, nur wenige Schwangere nehmen das Angebot von Hebammen wahr. Die Pränataldiagnostik (PND) ist selbstverständlicher Bestandteil der Schwangerenvorsorge durch GynäkologInnen geworden. Das Angebot wird ständig ausgeweitet und immer mehr in Anspruch genommen. Durch die Tests werden Krankheiten und Behinderungen diagnostiziert, die nur in Ausnahmefällen behandelbar sind, was zu schwierigen Entscheidungssituationen führt. In einer erheblichen Anzahl von Tests wird eine Behinderung nicht sicher festgestellt, sondern das Testergebnis weist nur auf eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Behinderung hin.

Im Falle eines positiven Befundes sind die zukünftigen Eltern mit der Entscheidung konfrontiert, ob die Schwangerschaft fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. In 60 90% entscheiden sie sich für den Abbruch.

Grundsätzlich soll die angebotene Beratung es den Paaren ermöglichen, ihre Entscheidungen auf einer informierten Grundlage zu treffen. Dazu gibt es verschiedene Beratungskonzepte, so z.B. humangenetische Beratungsstellen oder eine psychosoziale Beratung. Allerdings finden diese Beratungen nicht in ausreichendem Maße statt.

Die Pränataldiagnostik, die bisher nicht gesetzlich geregelt ist, ist gesellschaftlich umstritten. Einerseits wird sie als Stärkung der Autonomie von Frauen begrüßt. Andererseits steht sie im Verdacht, die Achtung von Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen zu untergraben und ihr Lebensrecht in Frage zu stellen. Die Enquete Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" merkt dazu an: "Gesellschaftlich scheint sich eine Haltung durchzusetzen, die mit der Frage: 'Wer will schon ein behindertes Kind?' zusammengefasst werden kann." Auch wird hinterfragt, ob tatsächlich die Autonomie von Frauen gefördert wird, wenn Testergebnisse fast "zwangsläufig" zur nächsten Entscheidung führen.

Im Mittelpunkt der Tagung steht die interdisziplinäre Diskussion über Ziele und Praxis der gegenwärtigen Pränataldiagnostik. Welche Ziele hat sie aus Sicht der Fachgesellschaften, der Praktiker, der Frauen und ihren Partnern und von Menschen mit Behinderung? Was heißt "informed consent" in der Theorie und Praxis? Was folgt aus dem herrschenden Konzept der Risikoschwangerschaft? Welche strukturellen und inhaltlichen Veränderungen in der Beratungspraxis sind denkbar, um eine Beratung zu gewährleisten, die die zukünftigen Eltern wirksam bei ihrem Entscheidungsprozess unterstützt? Welchen Einfluss haben Bilder von Behinderung und Beratungskonzepte auf die Entscheidung der zukünftigen Eltern über die Fortsetzung oder den Abbruch der Schwangerschaft? Welchen Verbesserungsbedarf gibt es bei der Unterstützung von Familien mit einem behinderten Kind?

Wir laden Sie herzlich ein.

Kontakt: Frau Ina Gloede
Evangelische Akademie zu Berlin
Charlottenstraße 53 - 54
10117 Berlin

Tel.: +49 - (0)30 - 20 35 55 07
Fax.: +49 - (0)30 - 20 35 55 50

gloede@eaberlin.de
http://www.eaberlin.de

Veranstalter: Evangelische Akademie zu Berlin

Wissenschaftliche Leitung: Frau Louise Jacobi

Schlagworte: Pränataldiagnostik

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